INSIGHT: »Me again – but not alone«

_ENGLISH VERSION BELOW_

Für »Me again – But not alone« begab sich Gisela Müller am 21. und 22. Juli 2018 erstmals seit 20 Jahren wieder mit einem neuen Projekt auf die Bühne. An ihrer Seite wagten sich die Live-Elektronikmusiker Hannes und Andi Teichmann auf neues Terrain. Gemeinsam erschlossen sie sich Räume, in denen Bewegung und Klang sich als Erweiterung erfahren und Zwischenräume spürbar werden. Das Erschaffen und Ausloten von Räumen, Zeitebenen und Abläufen sind gemeinsame Themen, mit denen sie versucht haben, den Moment zu erfassen, um in Raum und Zeit eine Transparenz entstehen zu lassen, die das Vergangene im Gegenwärtigen offenlegt. Vor der Premiere, die am Samstag, dem 21., stattfand, wurden dem Trio vier Fragen von Jacopo Lanteri der Tanzfabrik gestellt.

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Gisela, was hat dich dazu bewegt zurück auf die Bühne zu gehen? Welche “Dringlichkeit“ hat dich dazu gebracht zu entscheiden „Jetzt ist der Moment!“. Und wie hat sich deine Wahrnehmung im Tanz in diesen 20 Jahren verändert?

Gisela: Es kochte schon seit einer Weile. Ich wollte Antworten auf Fragen finden, wie “wie würde ich jetzt arbeiten und recherchieren und wie würde ich mich jetzt auf der Bühne präsentieren?”. Natürlich gibt es auch den starken Wunsch mich künstlerisch auszudrücken und zwar nicht nur durch Lehren und Improvisieren, sondern ich wollte auch die Möglichkeiten, die mein Körper jetzt bietet, ein wenig anstoßen. Ich fühle, dass ich meinen Körper auf eine ganz andere Art und Weise als vor 20 Jahren erlebe: viel entspannter und stärker integriert, und in der Lage, so viel mehr zu spüren und einen gewissen Bewegungsfluss innerhalb der Bewegung zu finden. Es gibt eine Bereitschaft, sich jederzeit zu bewegen, mit viel weniger Muskelspannung und Kraft, was für mich etwas neu ist. Natürlich haben sich mein ästhetische Empfinden und meine Interessen ebenfalls stark verändert. Ich bin viel mehr daran interessiert, die Forschung auf der Bühne sichtbar zu machen und weniger daran einen sicheren Raum für eine vorbereitete Choreographie zu schaffen. Und es ist schon ein paar Jahre her, dass ich daran dachte, an der Idee eines Konzerts als Tänzerin zu arbeiten. Überlegungen darüber, wie Musik konstruiert wird und wie ich als Tänzerin diese Strukturen in meiner Kunstform nutzen kann. Die Begegnung mit Hannes und später mit Andi löste genau dieses Interesse aus und das 40-jährige Jubiläum der Tanzfabrik Berlin war der perfekte Rahmen für diese Reise.

Hannes und Andi, was hat euch dazu gebracht zu entschieden, diesen Forschungsprozess mit Gisela zu beginnen? Wie seid ihr drei zusammen gekommen?

Andi + Hannes: Hannes und Gisela sind schon lange Nachbarn, haben sich aber erst letztes Jahr kennengelernt, genauer: gefunden. Schon nach der ersten durchquatschten Nacht war klar, dass die Antennen in die gleiche Richtung gerichtet sind, und dass sie, wenn auch in unterschiedlichen Ausdrucksformen, auf der gleichen Suche sind und die Wahrnehmung / der Umgang mit Räumen ein ganz ähnlicher ist. Ein paar Wochen später waren wir schon mit der 2017er Truppe von Dance Intensive im Studio, um ein gemeinsames Abschluss-Stück zu arbeiten. Die gemeinsame Arbeit mit den Studenten hat große Lust auf mehr gemacht, denn auch die Offenheit sich auf Unbekanntes einzulassen und den beidseitigen Austausch zu suchen ist eine Gemeinsamkeit zwischen Gisela und uns.

Ein zentrales Objekt des Stückes ist ein analoger Recorder. Auch in seiner Analogie zu Giselas Körper. In ihrem Körper sind immer noch bestimmte „Spuren“ vorhanden, die sie vor langer Zeit getanzt hat. Könnt ihr beschreiben, wie ihr zu dieser Entscheidung gekommen seid, und in welcher Relation der Umgang mit Zeit in diesem Stück steht?

Andi + Hannes: Der tragbare Kassetten-Rekorder gehört zu unserem Instrumentarium, da er uns eine spontane und direkte Arbeit mit Klang ermöglicht – einfach aufnehmen und abspielen, ohne all die Möglichkeiten von modernen Hightech-Geräten.

Gisela Müller 2 (c) BrendaIn der gemeinsamen Arbeit mit Gisela hat er schnell eine zentrale Rolle eingenommen und es sind immer mehr Rekorder geworden. Neben dem Spiel mit der Zeit ermöglichen sie uns als unabhängige Schallquellen auch ein besonderes Spiel im und mit dem Raum.

Gisela: Der Rekorder stammt aus meiner Zeit. Ich bin mit dem Walkman groß geworden. Er steht für eine andere Zeit, die wir in die Gegenwart holen.

Wie sind die musikalische und die choreographische Ebene miteinander verknüpft?

Andi + Hannes: Wir verstehen uns als Trio. Es geht uns nicht darum, dass sich Musik und Tanz gegenseitig illustrieren, sondern vielmehr eine eigene Sprache finden, die
die verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten vereint und versucht deren Grenzen zu überwinden. Ein wichtiger Aspekt ist für uns diese Prozesse während des gesamten Stücks offen zu legen und sichtbar beziehungsweise hörbar zu machen. 

Gisela: Wie schon vorher erwähnt: Wir suchen nach ähnlichen Dingen. Wie man neue/verschiedene Räume öffnet/schafft, und in dem konkreten Fall für dieses Stück Räume kreiert, die sowohl das Musikalische und Bewegende sichtbar wie hörbar machen. Der Versuch beide Kunstformen gleichberechtigt existieren zu lassen und sie gerade durch die Zusammenkunft von uns Dreien in einem anderen Zusammenhang zu bringen. Dadurch, dass Hannes und Andi präsent sind mit ihren Körpern, wird auch meine Bewegung anders gelesen bzw. wird dem Klang sehr wahrscheinlich anders zugehört. Und umgekehrt genauso: Wenn ich mit den Beiden das Konzert/den Klangraum baue, steht die Musik auch im Zusammenhang mit der Bewegung unserer Körper.

Um noch weiter zu gehen, ist bis zum 8. August 2018 das Gespräch zwischen dem Trio und Silke Super von Radio Eins hier verfügbar.

 

Im Rahmen von Open Spaces / Sommertanz 2018, ME AGAIN BUT NOT ALONE

CREDITS

Konzept, Bewegung, Klang: Gisela Müller, Gebrüder Teichmann | Dramaturgische Beratung: Jacopo Lanteri | Lichtdesign: Martin Pilz | Eine Produktion der Tanzfabrik Berlin in Koproduktion mit Nomad Dance Academy Slovenia, kofinanziert durch das Creative Europe Programme of the European Union im Rahmen von DANCE ON, PASS ON, DREAM ON.

 

For »Me again – But not alone«, Gisela Müller took the stage again on the 21st and 22d of July, 2018 for the first time in 20 years. At her side, the live electronic musicians Hannes and Andi Teichmann dared to explore new terrain. Together, they explored spaces in which movement and sound complement each other and made the interim spaces palpable. The creation and exploration of spaces, time levels and processes are shared themes with which they attempted to capture the moment in order to create a transparency in time and space where the past reveals the present. The trio was asked four questions before their premiere of Saturday by Jacopo Lanteri of the Tanzfabrik.

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Gisela, what brought you back on stage? What kind of urgency made you decide “now is the moment”. And how did your perception on dance change in these 20 years off stage (more or less)?

Gisela: I had thought about it for a long time. I wanted to find answers to questions like “how would I work and research now and how would I present myself on stage now?”. Of course, there is also a strong desire to express myself again in an artistic way and not only through teaching and improvisation, but I also wanted to push a little the possibilities that my body offers now. I feel I experience my body in a very different way than 20 years ago: much more relaxed and integrated, being able to sense so much more and find a certain fluidity within movement. There is a readiness to move any time, with much less muscle tension and force, which is kind of new to me. Of course, my aesthetic and my interests changed a lot as well. I am much more interested in making the research visible on stage and less in creating a safe space of set-up choreography. And it’s been a couple of years that I had been thinking of working on the idea of a concert as a dancer. Thoughts about how music is constructed and how I as a dancer can use these structures within my art form. The encounter with Hannes and, later on, with Andi triggered exactly this interest and the 40 years celebration of Tanzfabrik Berlin was the perfect frame for this journey to happen.

Hannes and Andi, what made you decide to start this research process with Gisela? How did the three of you come together?

Andi + Hannes: Hannes and Gisela have been neighbors for a long time, but only met each other last year, more precisely: they have found each other. Right after the first night of conversation, it was clear that the antennas point to the same direction, and that they are on the same quest, albeit in different expressions, and the perception / handling of spaces is quite similar. A few weeks later, we were already in the studio with the Dance Intensive group of 2017 to work on a joint graduation piece. Working together with the students has given us great desire for more, because the openness to engage in the unknown and to seek a mutual exchange is a common ground between Gisela and us.

A central object of the piece is an analog recorder also in his analogy to Gisela’s body. In her body are still certain “Tracks/Traces“ present that she danced long time ago. Can you talk about how you came to this decision and the relation that the piece has with time?

Andi + Hannes: The portable cassette recorder is part of our instrumentation, as it allows us to work spontaneously and directly with sound – just to record and play, without all the facilities of modern high-tech equipment.

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In the joint work with Gisela, the recorder has quickly taken a central role and it has become more and more of them. In addition to playing with time, they also allow us to play a special role in and with space as independent sources of sound.

Gisela: The recorder comes from my time. I grew up with the Walkman. It stands for another time that we bring to the present.


How do the musical level and the choreographic level intertwine?

Andi + Hannes: We understand ourselves as a trio. It is not our intention that music and dance illustrate each other, but rather find their own language, to unite the various possibilities of expression and try to overcome their limitations. An important aspect for us is to disclose these processes throughout the play and make them visible or audible.

Gisela: As mentioned before: we are looking for similar things. How to open/create new/different spaces, and in the concrete case for this piece, to create spaces that make both the musical and the moving visible and audible. The attempt to let both art forms exist on an equal footing and bring them in a different context through the gathering of us three. Due to the fact that Hannes and Andi are present with their bodies, my movement is also read differently or the sound is probably heard differently. And vice versa: When I build the concert/sound space with the two, the music is also related to the movement of our bodies.

To go further can you find here the discussion between the trio and Silke Super of Radio Eins.

In the frame of the Open Spaces / Sommertanz Festival 2018, ME AGAIN BUT NOT ALONE

CREDITS

Concept, movement, sound: Gisela Müller, Gebrüder Teichmann | Dramaturgical counseling: Jacopo Lanteri | Light Design: Martin Pilz | A production of the Tanzfabrik Berlin in co-production with Nomad Dance Academy Slovenia, co-financed by the Creative Europe Program of the European Union as part of DANCE ON, PASS ON, DREAM ON.

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