Time to meet: David Bloom und Renae Shadler „Naming it“

Showing – Talk – FreiRaum | 20.07.| 19h @ Tanzfabrik Berlin| Wedding 4

Renae Shadler und David Bloom präsentieren am 20.07. unter dem Titel “Naming it” zwei Arbeiten, die um die reziproke Beziehung zwischen Bewegung, Sprache und Realität kreisen. Das Time To Meet der Tanzfabrik Berlin im Rahmen des Open Spaces/Sommer Tanz 2017 umfasst Shadlers Duett  „And She saw it was good“ und Blooms Recherche „The universe project“ sowie das Publikumsformat Frei-Raum von Mapping Dance Berlin. Im März präsentierten die beiden Künstler „Naming it“ in einer gemeinsamen Performance beim NAH DRAN des ada-Studios in den Uferstudios: http://www.tanzforumberlin.de/produktion/naming-it/

Woher haben die Dinge ihren Namen?

Wo hört Sprache auf?

Hängt die Existenz der Dinge von ihrem Namen ab?

Erhalten Dinge erst durch ihre Benennung Bedeutung?

Ziehen wir mit dem Benennen von Dingen Grenzen durch die Realität?

 

 

The Universe Project

Davids Forschungsarbeit befasst sich mit allumfassender Vernetzung. Aus einem intersubjektiven Blickwinkel schaut sie auf Körper-Körper- und Körper-Raum-Anziehung. Die Vibration von Gongs soll sich durch Bewegung über unsere Körper hinaus in den Raum erstrecken und ausdehnen.

Kann ein immersiver Raum geschaffen werden, der eine einheitliche Realität physisch erlebbar macht?

Kann dieser in uns eindringende Raum die Grenzen zwischen Betrachter, Performer, Raum, Körper und wahrgenommener Bewegung auflösen?

Kann Bedeutung jemals unabhängig von unserem – durch unseren kulturellen Hintergrund – determinierten Assoziationsprozess existieren?

„THE UNIVERSE PROJECT“ verbindet Elemente, die auf den ersten Blick ganz und gar gegensätzlich scheinen: Kollektives Bewusstsein wird bei technisch sowie medial bedingter Schwarmintelligenz einerseits und während archaischen Ritualen wie dem Gong-Bad andererseits heraufbeschworen. Umschlossen von einem schwingenden Raum vernetzen sich unsere Körper physisch und psychisch, sodass Bewegung die Grenzen unserer Zellen und unseres individuellen Bewusstseins überwindet.

 

And She Saw It Was Good

Renae erkundet mit Mirjam die Grenzen der Sprache.

 

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Genesis – der Ursprung, der Anfang der Welt steht im Mittelpunkt des Duetts: Was können wir benennen – was lässt uns sprachlos? Elektronische Musik untermalt während ihres Showings „AND SHE SAW IT WAS GOOD“ die post-faktische und -humanistische Stimmung. Anhand authentischer, vorhandener Mittel untersuchen die Künstlerinnen die Schnittstelle zwischen Persönlichem und Politischen. Dabei berufen sich die beiden Frauen ständig auf ihre wahrgenommene Realität: durch Sprache und Bewegung entsteht eine anhaltende Resonanz von Reaktionen und Bewertungen, die Kommunikationsprozesse bestätigt sowie weiterführt.

 

 

Die Arbeit erkundet die Mechanismen von Bedeutungsproduktion im postfaktischen Zeitalter. Gesprochene Sprache als subjektive Ausdrucksweise trifft dabei auf animalische Verhaltensmuster. Auf diese Weise schafft das Duo dynamische, menschliche Beziehungen, die zwischen Abstraktion und Urtümlichkeit schwanken.

 

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Robert Crumb – The Creation Adam and Eve (story 2) (Genesis 2:23)

„AND SHE SAW IT WAS GOOD“ kritisiert die scheinbar natürliche, binäre Verbindung von Mann und Frau im Buch Genesis.  Es folgt ein Versuch, diese Teilung zwischen Menschlichem und Nicht-Menschlichem sowie Lebendem und Nicht-Lebendem zu zerstören. Spielerisch und ernst zugleich erforschen die Performerinnen was das  Hinterfragen von „unhinterfragbaren“ Quellen zu Tage fördern kann.

 

 

 

Inspirationen

Während ihrer Arbeit wurden Renae und David von Aleister Crowleys Magick inspiriert, die sich gegen die individuelle Begrenzung ausspricht sowie von Alva Noes Philosophie, welche die Wahrnehmung als schöpferischen Vorgang begreift. Außerdem beschäftigten sie sich während ihrer Nachforschungen mit der Schöpfungsgeschichte des 1. Buchs Mose und Mantras.

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Genesis 1 und 2 unterscheiden sich in Bezug auf ihren Fokus auf Welt und Mensch: Der erste Teil schildert die Erschaffung der Welt chronologisch während die zweite Version sich auf die Beziehung des Menschen zur Welt konzentriert. Beide Versionen eröffnen ihren jeweils individuellen Kontext und ihre unterschiedlichen Intentionen: die Legitimation Gottes als alleinigen Schöpfer einerseits und die Erklärung der Herrscherposition des Menschen über die Welt. Das Benennen der Dinge vollzieht sich zeitgleich mit ihrer Erschaffung.

 

creative commons
Pratisara Mantra

Mantras sind verbale Einheiten welche als Energien existieren und sich durch ihr wiederholtes Aussprechen materialisieren.  Diese Silben und Verse rufen Kräfte herbei die sich nicht in eigenständigen Körpern, sondern einem uns umgebenden Ort manifestieren. Durch ihre wiederholte Benennung nehmen sie eine, von einem begrenzten Körper befreite, allgegenwärtige Form an. Aus dem Klang eines Namens wächst ein alles verbindender Raum.

 

Publikumsgespräch FREI-RAUM

Das Publikum wird im Anschluss an das Showing eingeladen, die Vielfalt seiner Deutungen und Assoziationen auszutauschen: Anhand persönlicher Impressionen hinterfragen wir unsere multiplen Realitäten und reflektieren die Problematiken der beiden Arbeiten.  In der Versprachlichung unserer Wahrnehmung konstruieren wir Beziehungen zwischen unseren individuell erlebten Eindrücken. „Frei-Raum“ wurde von den Künstlern David Bloom und Renae Shadler in Zusammenarbeit mit Mapping Dance Berlin entwickelt.

***

T I M E T O M E E T // S H O W I N G // T A L K im Rahmen von #OpenSpaces2

20.07.| 19h @ Tanzfabrik Berlin| Wedding 4

Freier Eintritt

***

 

DON’T MISS IT!

Instagram: #OpenSpaces2 #SommerTanz2017

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