Ein Abschlussball der anderen Art: mit deufert&plischke im Puttensaal

„Es geht bei uns nicht darum, ins Theater zu gehen und sich dort etwas anzuschauen. Es geht darum, gemeinsam Zeit zu verbringen. Das Theater als Lebensraum.“ (Plischke)

 

Hast Du schon mal einen ganz persönlichen Brief an den Tanz geschrieben? Und hast Du schon mal den Inhalt eines Briefes oder gezeichnete Bewegungsanleitungen getanzt, auf Deine ganz eigene, individuelle, vielleicht sogar sehr intime Art?

„Dear dance,…..“ How would you start to write your own personal letter to dance?

Wie würde Dein Brief aussehen?

In den letzten 4 Monaten haben wir deufert&plischke auf ihrem Weg und in dem Prozess zu ihrem finalen Abschlussball über all die geschriebenen und gesammelten Tanzbriefe von Menschen in Berlin begleitet. Bist Du auch dabei und hast einen Brief an den Tanz abgeschickt? Freu Dich mit uns auf den Abend, an dem alle diese persönlichen Botschaften ihren körperlichen Ausdruck und Raum auf der Tanzfläche bekommen – auf einem einmaligen interaktiven Abschlussball, einer dancejamsession, an der jeder mittanzen kann, ob Du einen eigenen „Letter to dance“ geschrieben hast oder nicht!

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IDENTITÄT UND PROZESS

deufert&plischke spielen mit Identitäten und kreieren transdisziplinäre Räume der Begegnung. Theater versteht das Künsterduo, Kattrin Deufert und Thomas Plischke, das seit 15 Jahren als „Künstlerzwilling“ firmiert und als solches auch ihre Hochschullehraufträge bestreitet, als einen Lebensprozeß, der sich verändert und entwickelt.

Überraschend und zugleich sehr naheliegend ist es, dass sich die promovierte Theaterwissenschaftlerin Deufert und der Choreograf Plischke sehr für eine verschriftlichte Kommunikation stark machen, diese im eigenen Alltag praktizieren und ebenso als Inspirationsquelle für ihre Theaterperformances nutzen.

„Wir schreiben uns mehr, als dass wir miteinander sprechen.“

verkünden deufert&plischke sehr bewusst provokant. Ein Phänomen der digitalen Zeit oder strategisch ganz bewusst gewähltes Konzept und persönliches Statement?

 

BRIEFE ALS INSPIRATIONSQUELLE

So kam es jedenfalls zu der Idee, ein Theaterstück zu entwickeln mit dem Ausgangsmaterial von persönlichen Briefen, die Menschen in Berlin an den Tanz adressiert haben.

Für „Just in time“ haben deufert&plischke über Monate Briefe mit Zeichnungen gesammelt, um daraus ein spezifisches Ausdrucksvokabular von über 200 Lieblingsbewegungen zu erarbeiten, die sie im Zusammenspiel mit Künstlerkollegen zu einer Choreographie werden lassen.

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Das Stück realisiert sich erst vollständig an dem Tag der Aufführung, dem Abschlussball im Puttensaal, mit einem musikalischen Brief an den Tanz von Alain Franco am Klavier. Konzipiert als interaktiver Ball zwischen Tänzern und Zuschauern ist er unabdingbar auf deren Teilnahme ausgerichtet.

„Sie sind keine Choreografen, die perfekt trainierte Profitänzer in Szene setzen. Sie bringen die Verhältnisse zum Tanzen: zwischen sich, zwischen den Geschlechtern, zwischen Künstlern und Zuschauern. Sie kreieren keine Aufführungen, sie schaffen soziale Situationen, in denen alle Anwesenden kreativ werden.“

(im Interview mit Tobias Becker im Kulturspiegel am 29.08.2015)

 

WAS BEWEGT BERLIN?

Die Künstler und uns interessiert im Vorfeld besonders die Frage, worum es in den Briefen geht. Welche Fragen oder Botschaften haben gerade die Menschen in Berlin an den Tanz? Was bewegt die BerlinerInnen, wenn sie an Tanz denken, welche Gedanken und persönlichen Erfahrungen möchten sie dem Tanz mitteilen? Welche Erinnerungen sind daran geknüft?

Einsichten – Enttäuschungen – Missverständnisse – Genuss

Was bewegt sich durch den Tanz in den Menschen, welche mentalen Räume öffnen sich? Wie bewegt der Tanz ihr Inneres, ihre Gedanken, Emotionen, Körperwahrnehmungen, die Beziehung zu sich selbst und zu anderen Menschen? Was macht Tanz mit jedem einzelnen Individuum, wie bringt er sie in Bewegung, in Widerstand, in Stille oder in Starre? Welche Parameter verändern das Verhältnis zum Tanz, welche Stimmungen erzeugt oder unterstützt er? Welche Klischees und Stereotypen werden aufgerufen? Und welche Art von sinnlicher Auseinandersetzung erzeugt Tanz?

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VON BERLIN NACH NEW YORK UND TEL AVIV

Noch spannender wird es dann, wenn die Spurensuche und Forschungsreise des auf insgesamt 3 Jahre angelegten Projektes im nächsten Jahr weiter geht nach New York und Tel Aviv. Wie werden sich die persönlichen Briefe und subjektiven Anliegen an den Tanz in den drei Ländern mit den verschiedenen kulturellen, sozialen und politischen Hintergründen unterscheiden?

 

ARCHIV / PUBLIKATION

Zum Abschluss ist in jedem Fall ein tanz-soziologisch wertvolles Archiv von gesammelten Briefen entstanden, das 2018 als Publikation erscheinen wird.

Wir sind gespannt!

Not to be missed – just be part of it!

 

 

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Fr 4.11. / 17:00 – 19:30

JUST IN TIME / BERLIN
Abschlussball
Gefördert von TANZFONDS ERBE – eine Initiative der Kulturstiftung des Bundes. Koproduziert vom Goethe Institut.

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Mit: Miriam Jakob, Lee Meir, Kareth Schaffer
Musik: Alain Franco

Fr 4.11. / 17:00 – 19:30
Puttensaal der Bibliothek am Luisenbad, Travemünder Str. 2/Ecke Badstraße
Freier Eintritt, begrenzte Anzahl von Sitzplätzen, bitte pünktlich sein

 

[The admission is free, limited seats, please be on time]

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